02.07.2020 – GRÜNE gegen Kaufhof-Abriss

Die GRÜNEN sind gegen einen vorschnellen Abriss des alten Kaufhofgebäudes in der Bahnhofstraße. Wie der WESTFÄLISCHE ANZEIGER am 29.12.2018 dokumentierte, hat der Standort eine sehr bewegte Geschichte. Hier befand sich bis 1936 das jüdische Kaufhaus Alsberg und wurde mit der Arisierung durch die Nationalsozialisten zum Kaufhaus Fahning. Im Krieg wurde das imposante Gebäude zerstört. 1949 feierte Fahning die Neueröffnung. 1953 eröffnete nach der Übernahme 1951 durch die Fabrikanten Frowein aus Wuppertal und einem Umbau durch den Lübecker Architekten Heinz Bahr das Kaufhaus „Müller-Hamm“. Die geschwungene Fassade sorgte damals durch ihre Modernität für großes Aufsehen. Sie ist hinter der Kaufhof-Verkleidung noch erhalten, wie Redakteur Frank Osiewacz 2018 feststellte. Und auch eine originale Rolltreppe von 1953 ist noch in Betrieb.

Die Stadt Hamm ist deshalb gefordert in Gesprächen mit dem Eigentümer nach Lösungen für den Erhalt des Gebäudes zu suchen. „Einen weiteren Kahlschlag wie gegenüber bei TerVeen sollte es nicht noch einmal geben!“ so Siegbert Künzel, Bezirksfraktionsvorsitzender der GRÜNEN in Hamm-Mitte.

Mit dem Kaufhof schließt das letzte Kaufhaus mit Großsortiment – und bedeutet einen Einschnitt in der Hammer Einzelhandelslandschaft. Es ergeben sich aber Chancen für die Wiederbelebung des Bahnhofsquartiers. Dafür braucht es allerdings gute Ideen und neue Konzepte. „Müssen wir immer nur die Interessen der Investoren berücksichtigen?“ wirbt die GRÜNE OB-Kandidatin Arnela Sacic für einen konzeptionellen Neuansatz. Wer das Wohnen in der Innenstadt fördern will, muss auch für die fußläufige Nahversorgung sorgen. „Für unsere Innenstadt heißt die Schließung eine Strukturveränderung, die nun multifunktional gedacht werden muss“, ergänzt Sacic.

Den Kunstschaffenden kann hier Raum zum Experimentieren gegeben werden. Co-Working-Plätze oder Handwerk und kleine Dienstleister lassen sich mit Bildungseinrichtungen und dem Wohnen gut verbinden.

„Wir sind felsenfest davon überzeugt, dass die neuen Nutzungen auch durch einen behutsamen Umbau und der Wiederherstellung der geschwungenen Fassade von 1953 realisiert werden können!“, ist sich das GRÜNE Team für die Mitte einig.