05.03.2020 – Drahtviertel – Präsentation mit Mängeln

Mit der geballten Macht der Bilder wirbt die CDU mal wieder für ihr neues Leuchtturmprojekt „Drahtviertel“ auf dem alten WDI-Gelände zwischen Wilhelm- und Otto-Brenner-Straße.

Entstehen soll hier ein weiterer Hochschul-Campus mit Institutionen, Büros für Gründer und einem Science-Center für das Handwerk. Nach der Hochschule Hamm-Lippstadt soll dies eine weitere Entwicklungsstufe – ein Innovationszentrum XXL – werden. „Eine sicherlich mutige Zukunftsvision – allerdings bisher mit eklatanten Mängeln in der Präsentation“, so Siegbert Künzel, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der GRÜNEN.

Denn: auf der Computeranimierten Schrägansicht ist von Innovation wenig zu sehen: drei Gebäudekomplexe in schlichter, moderner Architektursprache, ein Riesenparkplatz, auf dem sich die wenigen Menschen verlieren. Dort wo jetzt noch im südlichen Bereich alte Lagerhallen stehen, bringen stattliche, mindestens 60 Jahre alte Bäume wenigstens ein wenig Grün ins Alltagsgrau. Wo sind hier die innovativen Ideen?

Die Nutzung der Dächer für Grün oder Photovoltaikanlagen – Fehlanzeige! Wasser und Grün zur Belebung des Platzes, um einer sommerlichen Überhitzung zu begegnen – Fehlanzeige! Klimaneutrale Mobilität mit vielen Radstellplätzen statt Autoparkplätzen – Fehlanzeige! Wohnbebebauung entlang der Wilhelmstraße, um den Gentrifizierungsdruck in benachbarten Wohnvierteln zu lindern – Fehlanzeige!  Quirliges, urbanes Leben auf dem Platz  und rund um die Gebäude – Fehlanzeige! Kunst am Bau, Kunst im öffentlichen Raum – Fehlanzeige! Das Drahtviertel wirkt aus dieser CDU Perspektive steril und introvertiert – nicht eingebunden ins Siedlungsgefüge.

Und wer im zweiten Atemzug mit dem Drahtviertel die B 63 n ins Spiel bringt, um den alten Rangierbahnhof zu altem Glanz zu erwecken und diesen zu einem zentralen Umschlagplatz im europäischen Güterverkehr zu entwickeln, sollte auch so mutig sein, die dafür nötige Hochstraße zwischen DB-Gleiskörper und Drahtviertel ins Bild einzupassen. Eine mindestens 15 m breite Autotrasse mit einem – so die bisherigen Planungen – sehr hohen LKW-Anteil. Bei den bisherigen Planungen wurden die neuen LKW-Verkehre durch den neuen Umschlagplatz für Güter noch nicht einmal mit eingerechnet.

Diese Trasse wird auch den Westausgang des Bahnhofs nachhaltig verändern – nicht nur das von der CDU ins Gespräch gebrachte vollautomatische Fahrradparkhaus.

Und wer B 63 n sagt, sollte auch die von der Stadt gewünschte Zu- und Abfahrt im Bereich der Banningstraße zur neuen Schnellstraße nicht unerwähnt lassen und die ungenügende Verteilung der Verkehre über die Hafen- und Münsterstraße. Da grüßt dann schon die neu entwickelte Kanalkante mit idyllischer Freizeitatmosphäre im Dauerlärm.

Man darf gespannt sein, wie sich diese Planungen auf die für 2021/22 vorgesehene Umgestaltung der westlichen Wilhelmstraße (von Otto-Brenner- bis Lohauserholzstraße) auswirken wird: Verkehrswende oder autoorientiert wie bisher.