28.04.2020 – So klappt´s nicht: Entwässerung Baugebiet Dierhagenweg mit Mängeln

Aufgrund der enormen Größe des geplanten Baugebiets am Dierhagenweg ist eine Verbreiterung der Entwässerungsgräben notwendig. Es ist offensichtlich, dass der Verwaltung zur Erweiterung der Kapazität nur der Raum der bisherigen Gräben zur Verfügung stand, da kein Landwirt dafür Ackerland verkauft. Die jetzige Maßnahme kann deshalb nur ein Behelf sein. Aufgrund der aktuellen Mängel an Konstruktion und Ausführung ist es jedoch fraglich, ob diese Notlösung in Zukunft überhaupt ihren Dienst tun kann. Andrea Pfeifer, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bezirks Rhynern, bemerkt: „Hier soll im Hauruck-Verfahren ein Baugebiet durchgedrückt werden. Was nicht passt, wird gnadenlos passend gemacht. Die Leidtragenden sind die jetzigen Bürger, die erstens die Kosten der Entwässerung für ein neues – am Bedarf vorbei geplantes – Baugebiet über ihre Steuern mittragen müssen. Und die zweitens dieselben Kosten aufgrund der Schlechtleistung doppelt und dreifach bezahlen müssen.“

Anfrage 1196/20 Gräben Verdistraße

Entlang der Verdistraße werden zurzeit Entwässerungsgräben erneuert. Wie aus dem WA zu entnehmen war, wird durch diese Gräben das Oberflächenwasser der neuen Haltepunktanlage sowie des neuen Baugebiets Dierhagenweg bis zum Düker des Dienebachs an der Von-Thünen-Straße abgeführt. Teilweise wurden Holzstämme als Spundwände in den Boden gerammt. Die Baustelle erstreckte sich über Hunderte von Metern. Heute, am 27.4.2020, ist ein Teilbereich offensichtlich bereits fertig gestellt, denn die Baustelleneinrichtung ist in diesem Bereich aufgehoben.

  1. Wieso ist diese Maßnahme nicht vor Beginn in der BV Rhynern detailliert vorgestellt worden?
  2. Wann ist mit einer endgültigen Fertigstellung der Gräben zu rechnen?
  3. Ist der Verwaltung bekannt, dass die Grabenseitenwände bereits heute an diversen Stellen und teilweise großflächig abgerutscht sind (Bild 1, Bild 2, Bild 3, Bild 4, Bild 5, Bild 6)? Zwar ist eine Grabenseite mit Sträuchern bepflanzt worden, allerdings sind die Hänge beidseitig so steil (Bild 7), dass ein Abrutschen des Geländes kaum verhindert werden kann, insbesondere nicht, wenn das Wasser – funktionsgemäß – im Graben ansteigt.
  4. Wie will die Verwaltung dem Algenwachstum entgegenwirken? Im Wasser, welches der Graben führt, ist derzeit extremes Algenwachstum zu beobachten (Bild 8). Fakt ist, dass die abgerutschte Erde zu einem erhöhten Nährstoffeintrag in den Graben beiträgt. Ebenso ist davon auszugehen, dass die Düngung der benachbarten Felder das Algenwachstum verschärft.
  5. Wie will die Verwaltung sicherstellen, dass zukünftig das Abrutschen der Wände zu beiden Seiten des Grabens verhindert wird? Auf der Ackerseite liegen die Spundwände zum größten Teil unterhalb der Ackerfläche (Bild 9). Es handelt sich hier um einen Höhenunterschied bis zu einem Meter! Der Acker geht bis direkt an Graben und Spundwand heran. Die Bauern nutzen ihren Acker derzeit bis direkt an den Graben (Bild 10), was bedeutet, dass sie mit schwerem landwirtschaftlichem Gerät an die Kante fahren. Es ist fraglich, ob die Kanten dies auf Dauer aushalten. Auf der Straßenseite besteht entlang der Straße nur ein schmaler Streifen zwischen Graben und Asphalt, circa 50 bis 80 cm breit (Bild 10). Wenn dieser Streifen mit PKWs, LKWs und landwirtschaftlichen Maschinen befahren wird, ist mit einem weiteren Druck auf die Kante und somit einem weiteren Abrutschen zu rechnen.
  6. Wie geht die Verwaltung mit den derzeit vorhandenen Mängeln am Bauwerk um? Die abgerutschten Grabenwände sind einerseits durch die zu steile Anlage zu erklären. Andererseits zeigt sich bereits jetzt, dass der Spundwandbau mangelhaft ausgeführt wurde, was Erde an zahllosen Stellen ausbrechen lässt (Bild 11). Die Holzstämme wurden vielfach nicht gerade, sondern schräg in den Boden gerammt (Bild 12, Bild 13, Bild 14). Die dadurch entstehenden Öffnungen zum Erdreich wurden wenig fachmännisch mit Brettern verdeckt (Bild 15, Bild 16). Mit einer langen Haltbarkeit der Konstruktion ist nicht zu rechnen. Im Gegenteil ist bereits heute absehbar, dass der Pflegeaufwand des Grabens enorm hoch ist und insbesondere die Spundwandkonstruktion einen kontinuierlichen Austausch des Materials bedarf. Unbedingt geklärt werden muss auch die Frage, in welcher Form es überhaupt möglich ist, den Graben von Erde und anderen Einträgen innerhalb des schmalen, durch die Spundwände gebildeten Kanals zu reinigen.
  7. Wie hoch sind derzeit die Kosten der Maßnahme? Aus welchen städtischen Haushaltsstellen wird die Maßnahme derzeit und zukünftig bezahlt? Sind Fördergelder einbezogen? Mit welchen Folgekosten rechnet die Verwaltung? Sind die Folgekosten für Mängel an Konstruktion und Ausführung in diese Zahlen bereits einbezogen?
  8. Ist eine Sicherung des Grabens geplant? Der Graben ist teilweise mehr als 2 m tief. Insbesondere im Bereich der Spundwände ist er schmal und besonders tief (Bild 1, Bild 17). Was passiert, wenn z. B. Kinder oder Tiere wie Igel, Hasen, Rehe hineinfallen? Anders als aus flacheren und weniger steilen Gräben kommen sie ohne fremde Hilfe nicht heraus. Das Sicherheitsrisiko ist hoch, insbesondere wenn der Graben viel Wasser führt.
  9. Sind entsprechend der Empfehlung des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums entlang der Gräben Blühstreifen geplant? Wie will die Verwaltung das Ziel umsetzen, den Eintrag von Nährstoffen und Pflanzenschutzmittel zu verhindern, und Erosion sowie Oberflächenabfluss vorzubeugen? Wie regt die Verwaltung die Anlage von Blühstreifen bei den Landwirten an? Sind Vorschläge für Fördermittelnutzungen gemacht worden? Wird darauf geachtet, dass die Ackerränder eine angemessene Breite haben, also zwischen 3 und 10 m, hier mindestens 5 m? Derzeit gibt es entlang der Gräben keine Blühstreifen (Bild 18). Angesichts der durch Abbruch gefährdeten Grabenkanten empfiehlt sich dringend deren Schutz durch eine seltene Befahrung – wie eben auf einem Blühstreifen. Es ist darauf zu achten, dass entsprechende Blühstreifen auch am weiteren Zulauf zum Düker angelegt werden und nicht nur entlang der Verdistraße.
  10. Kann die Verwaltung den durch das neue Baugebiet entstehenden erhöhten Abfluss des in die Gräben eingeleiteten Niederschlagswassers kapazitätsbezogen durch die modifizierten Gräben problemfrei und lückenlos bis zur Ahse garantieren? Hat der Graben, der von der Verdistraße Richtung Norden abzweigt und unter der Bahnlinie verläuft, bis er zum Düker an der Von-Thünen-Straße geht, genügend Aufnahmekapazität? Dieser Graben ist anfangs verbreitert worden. Nach wenigen Metern läuft er aber sehr schmal zu, große Bäume begrenzen den Graben (Bild 19). Hier wurden bereits Bäume gefällt. Im Anschluß ist er verrohrt.
  11. Was passiert bei Verlegung der Durchlässe, zum Beispiel durch von Äckern abgespülte Erdmassen, Ernterückstände, Laub, Äste oder gar der Holzspundwände? Gibt es für diesen Lastfall eine Risikobetrachtung oder ein entsprechendes Notfallkonzept/Schadensbetrachtung?
  12. Nach welchem Bemessungsverfahren und mit welchen Flächengrößen sind die geplanten Rückhaltungen und anschließenden Entwässerungsgräben dimensioniert worden? Sind hydrologische Modelle zum Einsatz gekommen? Oder wurde die Maßnahme überschlägig kalkuliert? Welche abflusswirksamen Flächengrößen wurden angesetzt? Ist die Gewässerverträglichkeit der Einleitungen nach Qualität und Menge berücksichtigt worden? Für welche Wiederkehrzeit und Abflüsse (HQ) sind die Gräben bemessen worden? Gibt es ein darüber hinaus erstelltes Risikomanagement für zu erwartende Überflutungen?

Anlage_1_zu_AF_1196-20_Gräben Verdistrasse

Anlage_2_zu_AF_1196-20_Gräben Verdistrasse

Anlage_3_zu_AF_1196-20_Gräben Verdistrasse