30.05.2016 – Kritische Würdigung der Rahmenplan-Schwemme

Die Vorstellung der Ergebnisse der Städtebaulichen Rahmenplanung zur Entwicklung des Bereichs Bergwerk Ost – Pelkum – Herringen durch Verwaltung und Gutachter nehmen die stadtentwicklungspolitischen Sprecher der GRÜNEN Ratsfraktion, Siegbert Künzel und Ulrich Kroker, zum Anlass einer kritischen Würdigung.

Mittlerweile liegt der dritte Städtebauliche Rahmenplan nach den Rahmenplänen Innenstadt und Hamm-Weststadt innerhalb eines Jahres vor. In allen Plänen werden ähnliche Instrumente und Konzepte vorgeschlagen, um die Stadträume zu entwickeln. Neben neuen, hochwertigen Wohnanlagen setzt man auf weitere Gastronomie- und Freizeitangebote rund um attraktiv neu gestaltete Plätze oder Event-Arenen und Kreativquartiere, garniert mit augenweidlichen Grün- und Platzstrukturen.

Ideen zu haben ist nicht falsch, aber sie müssen auch eine Chance haben, zeitnah durchführbar, d.h. bezahlbar zu sein! Dieser Aspekt sollte auch bei der Aufstellung einer Art gemeinsamen Prioritätenliste für die Gesamtstadt eine Rolle spielen – unter den Augen der Bewohner dieser Stadt.

Die Stadt hängt bei der Umsetzung einerseits am Finanztropf von EU, Bund und Land. Andererseits gilt es, den noch bestehenden Sanierungsstau an Schulen (z.B. Alfred-Delp-Schule, Johannesschule, Bodelschwinghschule, Hammonense etc.) und an Straßen (z.B. Hammer Straße, Wilhelmstraße und unzählige Wohnstraßen in jedem Stadtbezirk) abzuarbeiten und nicht für neue Leuchtturmprojekte zu opfern.

Hinzu kommen Wünsche und Forderungen nach einer Gleichbehandlung der Stadtbezirke – wie jüngst aus Bockum-Hövel.

Aus Sicht der GRÜNEN fehlt deswegen ein Gesamtkonzept, um all diese Planungen zu einem sinnvollen, gesamtstädtischen Entwicklungskonzept zusammenzuführen. Dieses Konzept sollte dringend überprüfen, ob sich wirklich jede vorgeschlagene Option und Privatinvestition für die Stadt insgesamt rechnet.

  • Wie wirkt sich die neue Kultur-, Freizeit- und Gastronomielandschaft (z.B. durch das Kreativquartier Bergwerk Ost oder die Kanalkante „Hamm Erleben“) auf bestehende Angebote aus (z.B. Maxi-Park, Kurhaus, Eissporthalle, Westpress-Arena, Museum, Tierpark)?
  • Wie kann das, was diese Stadt an Kultur- und Freizeiteinrichtungen hat, optimiert, modernisiert etc. werden? Woher sollen neue Kunden- und Besucherströme kommen, wenn die eigene Bevölkerung eher zurückhaltend agiert?
  • Die vielgepriesene Außengastronomie: welchen Umfang vertragen die einzelnen Bereiche/Quartiere, auch angesichts der Kaufkraftkennzahlen (s. neues Prognos-Gutachten)? Auch Winterzeiten müssen überlebt werden!
  • Wer sind die Zielgruppen für die neuen Angebote? Berücksichtigen die Planungen den demografischen (älter, bunter) bzw. den sozialen und kulturellen Wandel (Altersarmut, geringe Kaufkraft, geringes Einkommensniveau, steigende Sozialausgaben der Stadt)?

Die Euphorie über die zukünftige Entwicklung der Stadt darf auch nicht außer Acht lassen, dass die Stadt in starker regionaler Konkurrenz steht – und auch dort werden Pläne geschmiedet, die denen aus Hamm ziemlich ähneln. Seit Jahren besteht z.B. in Bottrop das Projekt Halde Prosper Haniel. Dort wird derzeit der „Fliegende Holländer“ inszeniert. Was andere schon haben – dazu in geringer Entfernung – muss in Hamm nicht zum Renner werden!

Man darf auf die kommenden Haushaltsplanberatungen gespannt sein. Dann entscheidet die GROKO still und heimlich über die Finanzplanung wohin die Reise gehen soll – ohne die viel beschworene Bürgerbeteiligung…