Mehr geht nicht!

10.12.2014 – Der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates der Wirtschaftsförderung Hamm und Gewerkschaftsfunktionär, Lother Wobedo, zeigt in seiner Pressemitteilung erstaunliche Kenntnisse. Bei Hellweg werde „entweder nach dem Lager- und Logistiktarif NRW oder nach dem Groß- und Einzelhandelstarif“ bezahlt.

Schön, dass der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende jetzt auch zur Kenntnis genommen hat, worüber er schon vor Wochen in einer Vorlage des Wirtschaftsförderers informiert worden ist. Der Vorlage selbst hat er damals allerdings per Dringlichkeit zugestimmt.
Und in diesen beiden Tarifverträgen liegt ja gerade das Problem. Der Groß- und Einzelhandelstarif ist gegenüber dem Logistiktarif deutlich besser dotiert und die Gewerkschaft ver.di will in ihrem Streik z.B. bei Amazon, genau diesen besseren Tarif durchsetzen. Das will sie vor allem wohl deshalb, weil man von dem schlechteren Tarif – etwa 1.650 € brutto (so ver.di bei Spiegel online am 17.11.14 über die Situation bei kik) – eben ohne zusätzliche staatliche Unterstützung kaum leben kann. Welche Altersversorgung aus derartigen Löhnen resultiert, mag man sich gar nicht vorstellen. Wer so bezahlt wird, hat keine gute Arbeit.

„Gute Arbeit“ ist aber genau das, was die SPD und Herr Wobedo in jeder Sonntagsrede einfordern. Bei Hellweg werden übrigens 80 von 90 Mitarbeitern nach dem schlechteren Tarif bezahlt. Und deswegen (u.a.) sind wir gegen diese Ansiedlung!
Die Äußerungen der ver.di-Geschäftsführerin, die ebenfalls zitiert wird, verwundert allerdings noch mehr. Es gefällt ihr offenbar nicht, dass Politiker die Argumente der Gewerkschaft übernehmen. Damit befindet sie sich in einer Front mit der FDP, die ja besonders als Arbeitnehmer freundlich bekannt ist. Andererseits verteidigt sie dann genau den Logistiktarif, den sie in der gerade laufenden Streiksituation als – vorsichtig gesagt – für wenig auskömmlich hält. Das verstehe, wer will. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, wünsche ich den Streikenden viel Erfolg.
Wie man vor dieser Faktenlage die Aussage von Lothar Wobedo „mehr geht nicht“ verstehen kann, will ich hier nicht kommentieren.